Philosophischer Spaziergang: Was ist Mut zum Denken?

Philosophischer Spaziergang: Was ist Mut zum Denken?

Liebe SeefahrerInnen des Geistes,

vor einiger Zeit erzählte mir ein befreundeter Arzt von einer Kollegin, die sich vor der Selbsterkenntnis fürchtet und deshalb die Beschäftigung mit existentiellen Sinnfragen auf später verschiebt, um nicht die gewohnten Routinen in ihrem Leben zu gefährden. So hofft sie also später Zeit und Muße für die tieferen Fragen des Lebens zu finden. Diese Haltung ist unter den Menschen gar nicht selten. Seltsam ist sie jedoch schon. Auch für den deutschen Philosophen Arthur Schopenhauer (1788-1860):

“Daher werden die Meisten, wenn sie am Ende zurückblicken, finden, dass sie ihr ganzes Leben hindurch ad interim gelebt haben, und verwundert sein, zu sehen, dass das, was sie so ungeachtet und ungenossen vorübergehn ließen, eben ihr Leben war, eben das war, in dessen Erwartung sie lebten. Und so ist denn der Lebenslauf des Menschen, in der Regel, dieser, dass er, von der Hoffnung genarrt, dem Tode in die Arme tanzt.”

Das Seltsame einfach abzutun und zu verachten ist aber nicht das Kerngeschäft der Philosophie, sondern die Erkenntnis. Menschen fürchten häufig die Tiefe der Existenz und die Tiefe des Denkens. Friedrich Nietzsche (ein Schüler Schopenhauers) beschreibt das so:

“Ach, abgründlicher Gedanke, der du mein Gedanke bist! Wann finde ich die Stärke, dich graben zu hören und nicht mehr zu zittern?
Bis zur Kehle hinauf klopft mir das Herz, wenn ich dich graben höre! Dein Schweigen noch will mich würgen, du abgründlich Schweigender!
Noch wagte ich niemals, dich herauf zu rufen: genug schon, dass ich dich mit mir — trug! Noch war ich nicht stark genug zum letzten Löwen-Übermuthe und -Muthwillen.”

Als thematischen Proviant für unseren Philosophischen Spaziergang am So, 4. Juli um 18:30 Uhr (Treffpunkt Tannengasse 1 in 2230 Gänserndorf vor Top 7), schlage ich daher folgendes vor: Was ist Mut zum Denken?

Geselliges Beisammensein im Anschluss an den Philosophischen SpaziergangDie TeilnehmerInnen haben wie immer vor Ort die Möglichkeit sich auf eine andere Fragestellung zu einigen. Eine Anmeldung aufgrund der beschränkten Teilnehmerzahl (max. 5) ist ratsam. Wem das Ergebnis unseres Nachdenkens im Juni über die Frage, was gerecht ist, näher interessiert, dem sende ich auf Nachfrage das Protokoll gerne per Mail zu.

Um die Attraktivität des Philosophischen Spaziergangs noch ein klein wenig zu überhöhen und weil die Erfahrung gezeigt hat, dass die Lust am gemeinsamen Nachdenken auch am Ende unseres Spaziergangs öfters nach einer Flasche Wein verlangt hat, möchte ich ab nun folgende Standardoption anbieten: Das Ende des Spaziergangs kann je nach Lust zu einem Anfang werden. Ein Anfang, wo wir den Mut sich des eigenen Verstandes zu bedienen feiern. Es kann der Beginn eines geselligen Beisammenseins in entspannter Atmosphäre sein, begleitet von Snacks, Getränken und lockerem Plauderton.

Freundliche Grüße

Reinhard Krenn

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